Gier (ein Gedicht)

GierCartoonMaus, die in Käse beißt

Die Gier hat unser Land
tief und fest für sich gebannt.
Sie hat unsere Hirne eingenommen –
und ist doch ganz leis gekommen.

Man strebt nach mehr und will nach oben.
Furchtbar die Gedanken toben.
Sie wird zum Antrieb aller Taten.
Sie hat unser Sein verraten.

So wandelt sich der Mensch zum Tier,
wenn er bestimmt wird von der Gier.
weiter, höher, schneller, mehr
bei manchem bleibt der Teller leer.

Was soll’s, wenn viele Menschen hungern,
traurig auf der Straße lungern?
Sie werden für uns zum Problem,
das ist dann gar nicht angenehm.

Wollen von dem Teller essen,
den ich noch nicht ganz abgegessen.
Sie woll’n aus deinem Becher trinken,
obwohl sie ganz erbärmlich stinken.

Beim Lohn, da hast Du’s nicht gesehen?
tun viele heute so vorgehen:
Dass Arbeit die man hat gewährt
den Arbeiter nicht mehr ernährt.1

Und passt’s ihm nicht so lass ihn stehen.
Man kann in andre Länder gehen
wo die Menschen ärmer sind
trotz Arbeit hungern Frau und Kind.2

Sie arbeiten um Licht und Leben,
doch der Lohn den man gegeben,
reicht zu allem beiden nicht.
Doch mach kein trauriges Gesicht

Wenn sie sich nach 60 Stunden
haben schon genug geschunden
und nicht bleiben in der Spur
sagt man „Auf Wiedersehen“ nur.3

Und ehe man es hat erkannt,
ist Arbeit in ’nem andren Land,
das mit noch billigeren Löhnen
der Gier das Leben will verschönen.

Es ist ein Virus, ich sag’s ehrlich
und dazu noch brandgefährlich!
Er hat uns alle hier befallen.
Da nutzt es nichts, die Faust zu ballen.

Der Dichter ist nicht besser dran
als ein x-belieb’ger andrer Mann.
Und glaubst Du’s nicht, so prüfe nach
wem Du bereitest Ungemach.

Checke Deinen Einkaufszettel.
Kaufst Du nur den bill’gen Bettel?4
Bist Du auf Rendite aus,
wenn Du ziehst Dein Sparbuch raus?

Weißt du denn, wen diese Zinsen
der Bank wirklich lassen grinsen?
Hast Du in ’ne Aktie investiert,
die auf Hunger5 spekuliert?

Ja, man ist schnell mit Forderungen,
doch nur selten ist’s gelungen,
sich von dem Virus zu befreien
und die Sinne zu erneuen.

Jetzt geht es darum zu gesunden
von den schweren Viruswunden.
Geist und Sinn soll’n sich erneuern.
Das Herz nicht länger wund sich scheuern.

Wenn man Ressourcen richtig teilt,
dann wird vieles schnell geheilt.
Wenn man die Gemeinschaft sucht
und nicht mehr einander flucht.

Wenn man die Menschen schätzen lehrt
ihren großen Lebenswert.
Dann braucht man nicht mehr gierig sein
dann ziehen Licht und Freude ein.

Fußnoten
1Stand 2011 müssen viele Menschen als sogenannte „Aufstocker arbeiten. Das bedeutet, dass der Lohn mit Sozialhilfe aufgestockt werden muss.
2Die Nachfrage nach billiger Ware und der Konkurenzdruck unter Oligopolen führen dazu, dass Arbeit in immer billigere Länder ausgelagert wird. Dort gibt es keine Aufstocker. Der Lohn reicht schlicht nicht zum Leben
3Arbeit wandert von billigeren in noch billigere Länder ab. Staaten locken dabei oft mit Steuervergünstigungen oder Steuererlässen, die von der Industrie aber nur als Erhöhung der Rendite mitgenommen werden
4Bettel = Schwäbisches Wort für minderwertige Ware
5Spekulation mit Lebensmitteln und Verkäufe virtueller Getreidereserven sind für einen weltweiten Preisanstieg verantwortlich, der dazu führt, dass Arme sich die Grundnahrungsmittel nicht mehr leisten können

Urheber nach deutschem Recht: Christian-Michael Kleinau 10 / 2011

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