Karl-Gustav’s fröhliche Weihnachten

Es war wie in jedem Jahr. Das Weihnachtsfest stand vor der Türe und die Menschen waren vom gewohnten Umtrieb und der Hektik erfasst. In diesem Jahr vielleicht noch etwas mehr als sonst. Händler hofften darauf, dass das Weihnachtsgeschäft die Umsatzeinbußen des vergangenen Jahres kompensieren sollte, die die Stadtbahnbaustelle mit sich brachte. Schüler und Pendler ärgerten sich das Jahr über über die Umleitungen und jetzt über Fahrplanänderungen und Zugausfälle, die alles noch vollends durcheinander brachten. Ja, alles deutete darauf hin, dass es auch dieses Jahr wieder die übliche, ärgerliche und hektische Vorweihnachtszeit wie in jedem Jahr sein würde.

Auch bei der kleinen Katrin Müller war das nicht anders. Sie hatte Eltern, die ihren täglichen kleinen Krieg führten und bisher nur des Kindes Wegen zusammen geblieben waren. Jeden Tag gab es neuen Ärger und die Streite wurden mit jedem Tag, den es auf Weihnachten zuging, heftiger. Dabei hatte sie sich so sehr ein friedliches Weihnachten gewünscht. In dem Krippenspiel, das die Kinderkirche gerade einübte, war es doch auch möglich, da hörte sie den Engelchor doch singen: „Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen.“ Nichts wünschte sie sich mehr als Frieden. Es müsste ja nicht gleich die ganze Erde sein, der Friede in ihrer Familie würde ja schon reichen. Sie begann jeden Abend dafür zu beten.

In der Familie Großhans erlebte der 13-jährige Gert gerade eine andere Krise. Sein Vater musste plötzlich ins Krankenhaus. Anfangs war er nur etwas kurzatmig gewesen, aber dann wurde er schnell immer schwächer und die Farbe wich aus seinem Gesicht. Inzwischen hatten die Ärzte Blutkrebs diagnostiziert. Er und seine Mutter und die kleine Schwester Ann-Sophie waren ganz verzweifelt. Konnte dies gut ausgehen? Das Fest rückte täglich näher. Sie wünschten sich nichts sehnlicher, als ihren Vater an Weihnachten wieder bei sich zu haben.

Gleichzeitig warteten Sie auf das Geburtstagsfest für den Heiland der Welt, der es doch auch damals möglich gemacht hatte, dass schwer kranke Menschen und Behinderte geheilt wurden, ja, dass sogar Tote wieder auferweckt wurden. (Lk 7,22 Mt 5,11) Sie hofften und beteten jeden Tag für ihren Vater.

Auch im Himmel liefen die Weihnachtsvorbereitungen an. Die Engelschöre übten und der Thronsaal wurde auf Hochglanz gebracht. War doch die anfangs recht unscheinbare Geburt von Jesus der Beginn des Siegeszuges über die dunlken Mächte, die die Welt beherrschten. Die Weihnachtsbotschaft der Engel, sollte auch in diesem Jahr den Himmel erfüllen. Gerade wurde das aus edelsten Hölzern bestehende Parkett gebohnert, als der kleine Engel Karl-Gustav darauf ausrutschte. Es war so glatt, dass er den Halt verlor. Er rutschte und rutschte. Dummerweise stand das Himmelstor gerade offen, um etwas frische Luft hereinzulassen, als Karl-Gustav darauf zusauste. Und ehe er sich versah, war er auch schon draußen.

Glücklicherweise machen Engeln Stürze aus großer Höhe nichts aus und so landete Karl-Gustav sicher vor Katrins Haus. Drinnen war schon wieder dicke Luft. Katrin hatte sich in ihr Zimmer verzogen und hielt sich die Ohren zu. Karl-Gustav schaute durch die Fenster. Zunächst sah er, wie im Wohnzimmer die Fetzen flogen, dann kam er an Katrins Zimmer vorbei und sah das verängstigte Kind. Er schlich sich ins Zimmer und setzte sich neben Katrin auf die Bettkante. Die hat ihn zunächst gar nicht bemerkt. Nach einger Zeit, die beide schweigend verbracht hatten, erschrak Katrin: „Wo kommst Du denn her? Und wer bist Du überhaupt?“ Daraufhin erzählte Karl-Gustav die Geschichte, wie er beim Bohnern des himmlischen Thronsaals aus der Himmelstüre gerutscht und vor Katrins Haus gelandet war. „Du bist also ein richtiger Engel?“ Fragte Katrin erstaunt. „Ja. Aber nur ein ganz kleiner und unbedeutender.“ „Ich wünsche mir so sehr den Weihnachtsfrieden“ sagte Katrin. Hier ist jeden Tag Streit und ich halte es fast nicht mehr aus. Karl-Gustav stimmte ihr zu. „Im Himmel bereiten wir uns darauf vor, diese Botschaft zu singen, aber Du hast recht. Hier sieht es noch ganz und gar nicht danach aus. So wie es hier zugeht habe ich gar keine Lust mitzusingen“

Nach einiger Zeit machte sich Karl-Gustav auf den Weg. Er wollte versuchen wieder nach Hause zu kommen, wusste aber noch nicht genau, wie er es anstellen sollte. Auf dem Weg durch die Stadt kam er am Hauptbahnhof vorbei. Dort stieg Familie Großhans gerade in den Bus ein. Sie unterhielten sich über den Vater. „Wird Papa sterben?“ fragte Ann-Sophie. Ihre Mutter zuckte nur mit den Achseln. Erstens wusste sie es nicht, aber außerdem hoffte sie es auch nicht. Karl-Gustav folgte ihnen unauffällig. Das war auch weiter nicht schwierig. Im Bus konnte die kleine Restfamilie nicht zusammen sitzen und Gert nahm in einer anderen Reihe Platz. Karl-Gustav setzte sich neben ihn. „Bist Du auch zusammen mit dem kleinen Mädchen da drüben unterwegs?“ sprach er Gert an. Gert war erstaunt. „Was geht Dich das an“ raunzte er zurück. „Nun, ich bin ein kleiner Engel und das Mädchen tut mir leid.“ sagte Karl-Gustav. „So so, ein Engel. Das könnten wir wirklich gebrauchen.“ Gert erzählte Karl-Gustav in knappen Worten die Geschichte und dass sie nicht wüssten, wie es mit dem Vater ausgehe. Karl-Gustav war ganz mitgenommen. Inzwischen kam der Bus an der Klinik an. Beide stiegen aus und ihre Wege trennten sich. Karl-Gustav wünschte Gert alles Gute und versprach, wenn er wieder zurück wäre mit seinem Oberengel darüber zu reden.

Apropos Oberengel. Oberengel Daniel hatte Karl-Gustavs Verschwinden mittlerweile bemerkt und sich auf die Suche nach ihm gemacht. Glücklicherweise hinterlassen Engel für die Menschen unsichtbare Spuren. Diesen folgte Daniel und kam gerade auf der Erde an, als Karl-Gustav den Bus verließ. „Da bist Du ja! Wir haben Dich schon überall gesucht!“ Sagte Daniel und nahm Karl-Gustav mit zurück in den Himmel.

Unterwegs erzählte Karl-Gustav die ganze Geschichte seines unfreiwilligen Ausfluges und auch, was er mit Katrin und Gert erlebt und von Ihnen erfahren hatte. Dass die Weihnachtszeit für die beiden gar nicht froh und festlich sei und dass er, wenn er an die beiden denke, auch keine Lust habe an Weihnachten mitzusingen. Daniel schmunzelte. Wusste er doch, dass es bei seinem Chef keine Zufälle gibt und dass es offenbar Jeus Absicht war, Karl-Gustav zu den beiden Familien zu schicken.

Am nächsten Morgen, der Saal war schon festlich geschmückt, Der Boden wieder begehbar, Karl-Gustav allerdings ging ganz, ganz vorsichtig darüber, geschah das Unerwartete. Jesus wollte schon zur Probe kommen. Der ganze Chor war in heller Aufregung. Was hatte der Chef wohl vor? Das erste Lied erklang, doch Karl-Gustav konnte nicht singen. Die beiden Familien waren in seinem Kopf immer noch präsent, als Jesus plötzlich seinen Namen rief. „Karl-Gustav, erzähle mir doch bitte, warum Du diese Friedensbotschaft nicht mitsingen kannst“ Völlig verdattert erzählte er die Geschichte noch einmal.

Da sagte Jesus: „Ich freue mich, dass hier im Himmel Frieden herrscht, aber ich möchte, dass dieser Friede und die Weihnachtsfreude in diesem Jahr ganz besonders auch auf die Erde kommt. Die Menschen sollen spüren, dass ich lebe und ich möchte sie zu meinem Geburtstag beschenken. Zieht aus und verwandelt den heiligen Abend in eine heilende Nacht. Schlichtet die Streite, heilt die Kranken, tröstet die Trauernden. Meine Kraft soll euch begleiten und mein Friede soll euch folgen. In drei Tagen treffen wir uns dann wieder hier und verkünden die Botschaft meines Sieges in der sichtbaren und unsichtbaren Welt“

Und wenn Du heute einen Unbekannten triffst, der sich mit Karl-Gustav oder sonstwie vorstellt. Dann weißt Du, dass der Herr Dir nahe ist. Er wird auch diese Zeilen nutzen, um Dir zu begegnen. In diesem Sinne: Fröhliche Weihnachten!

P.S: Und wenn Du was empfangen hat, dann teile es weiter aus. Dadurch wird es auch in anderen Herzen warm und der Weihnachtsfriede breitet sich aus.

Alle Rechte bei Christian-Michael Kleinau © 24.12.2013
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