Apfelbäumchen oder Abgesang?

Apfelblüte

Apfelblüte

Die Welt ist unruhig und gefährlich geworden. Mancher erinnert sich an die Worte Jesu, dass dies die „Wehen“ sein könnten, die dem Tag des Herrn vorausgehen. Und in der Tat: Es könnte sein. Andererseits gab es in der Weltgeschichte schon viele ähnlich schlechte und kriegerische Zeiten und eine Häufung von Naturkatastrophen und jeder Zeitabschnitt für sich hätte die Bedingungen für die „Wehen“ und das bevorstehende Gericht schon erfüllt. Und immer war es „noch nie so schlimm“, wie gerade in jener Zeit und gerade in unserer heutigen Zeit.

Befremdlich finde ich, wenn Menschen anfangen, Gott dafür zu danken, dass es jetzt schnell zu Ende gehen wird. Ist das denn unsere Aufgabe als Christen?
Mich hat das in den letzten Tagen stark umgetrieben und mir ist einiges dazu eingefallen, was Jesus gesagt hat, wie wir uns positionieren sollen und was Glaubensväter wie Abraham getan haben. Dies kann helfen den eigenen Standpunkt und das eigene Handeln zu bestimmen.

Wie sind Vorbilder mit solchen Situationen umgegangen

Als Gott mit Abraham über den bevorstehenden Untergang Sodoms sprach begann Abraham zu feilschen. Er wollte diese verdorbenen Städte retten!1 Schlussendlich gelang dies nicht und nur der – nicht ganz so Gerechte – Lot und Familie erhielten die Gelegenheit zur Flucht. Das Gericht aber wollte Abraham aufhalten.

Das Volk Israel lebte unter für Juden abscheulichen Bedingungen in babylonischer Gefangenschaft im Exil. Jeremia fordert sie auf: „Suchet der Stadt Bestes!“ 2

Dem Reformator Martin Luther wird der Satz (vermutlich) in den Mund gelegt: „Wenn morgen die Welt unterginge würde ich heute ein Apfelbäumchen pflanzen.“ Auch wenn dies vermutlich nie von Ihm gesagt wurde3, so könnte man es sich vorstellen und selbst wenn es frei erfunden wäre, drückt es für mich einen gangbaren Weg aus.

Jesus Christus als unser Glaubensvorbild versieht seine Jünger mit diversen Aufträgen für die letzte Zeit.

Was wollte Jesus Christus von seinen Nachfolgern?

  • Sie sollen Kranke heilen und Tote aufwecken 4
  • Sie sollen das Evangelium verkündigen bis an die Enden der Erde und bis er wiederkommt.5
  • Sie sollen Licht und Salz sein6
  • Christen sollen sich untereinander lieben, nicht bekriegen7 damit Sie ein Beispiel für die Welt sind, wie es einmal sein wird.
  • Fremde aufnehmen, Nackte kleiden, Kranke und Gefangene besuchen8

Meine Rolle als Christ

Ich habe mich gefragt, wie zielführend es im Angesicht dieser doch recht klaren Ansagen ist als christliche Gemeinde möglichst in den eigenen Kreisen zusammen zu bleiben. In der Welt als Moralapostel aufzutreten und Vorschriften machen zu wollen, wie es unsre Minderheit gerne hätte. Das hat so etwas jonamäßiges. Jona war von Gott berufen, die Bewohner von Ninivee, einem seinerzeit als äußerst kriegerisch und grausam bekannten Volk in dessen Stadt es drunter und drüber ging, vor Gottes Gericht zu warnen. Jona wollte zunächst nicht und lief weg. Von Gott dann auf drastischem Weg überzeugt ging er hin und sagte sein Sprüchlein auf. – Und er fand Gehör! Das wollte er gerade nicht! Die Niniviten besannen sich und Jona wartete auf den Untergang der Stadt und brauchte nochmal eine Extralektion.9

Es ist nicht so, dass die Welt keine Warnung bräuchte. Gott hat ausrichten lassen, was er gut findet und was nicht. Und er hat auch in der Büchersammlung der Bibel klar aufgezeigt, dass er sich nicht auf der Nase herumtanzen lässt, auch wenn wir das heute in Teilen der Weltgesellschaft meinen tun zu können. Es passiert ja doch nichts und Religion ist „Opium des Volkes“ 10 .

Wie soll man sich also positionieren?

  • Alles mitmachen und auf die eigene Salzwirkung vertrauen?
  • Die Anbetung der Götter Geld, Jugend und Gesundheit anprangern und die Mitmenschen ständig damit nerven. Viele nicht christlich orientierte Menschen finden das auch nicht gut.
  • Ständig gegen die unsinnigen Versuche beispielsweise auf Basis des Gender Mainstream ankämpfen die Männlein und Weiblein gleich machen wollen, was biologisch einfach nicht geht. (Und ich sehe keinen Sinn darin es gehen zu lassen) – und dabei nur Kraft zu verlieren?
  • Über die Ursachen der Kriege zu lamentieren und es ungerecht finden Flüchtlinge auf dem Meer absaufen zu lassen. Aber gleichzeitig auch froh zu sein, wenn nicht zu viele davon in meiner Stadt landen?

Das wird alles nicht – oder höchstens in sehr geringem Umfang – funktionieren. Es wird viel Kraft kosten und am Ende ein vergeblicher Kampf gewesen sein. Aber untätig bleiben will ich auch nicht.

Was will und kann ich also tun?

  • Ich will mich vor Gott für meine Welt einsetzen.
  • Ich will gegen die Unordnung beten, die Dämonen und die Demagogen stiften und Gott bitten, beim Aufräumen zu helfen.
  • Ich will Gott bitten, seine Kraft einzusetzen, Menschen zu retten und seinen Shalom herzustellen. Echten Frieden. Keinen Waffenstillstand. Ich glaube nicht, dass dies ohne Blessuren und Schmerzen abgeht, aber ich will nicht für die Schmerzen danken. Ich will für den Frieden danken, der entsteht.
  • Ich will mich dafür einsetzen, dass in den führenden Köpfen ein neues Bewußtsein entsteht, wie die Ressourcen dieser Welt verteilt werden sollen. Und das gerechtes Teilen einen Mehrwert hat.
  • Ich will für unsere Politiker beten, dass sie sich wieder trauen Flagge zu zeigen und klare Standpunkte gegen das Unrecht einzunehmen.
  • Ich will für unser Land beten, dass die alten Geister nicht wieder die Oberhand gewinnen und die Massen mit falschen und flachen Thesen manipulieren.
  • Ich will mich dafür einsetzen dass wir Fremde in echten Notsituationen aufnehmen und sie gut behandeln. Ihnen von unseren Errungenschaften abgeben und so gut es geht Ruhe zu verschaffen.
  • Ich will für unsere Politiker und Staatsbeamten bitten, die täglich weitreichende Entscheidungen über Menschen treffen müssen, dass Sie den ganzen Menschen sehen und ihre Entscheidungen ausgewogen und mit gutem Gewissen treffen können.

Ich hoffe, Leute zu finden, die dabei mithelfen wollen.
Ob sich damit das Gericht aufhalten lässt? Ob es was bringt?
Ich weiß es auch nicht. Aber es gibt Vorbilder, bei denen hat es was gebracht. Auf jeden Fall will ich eher der barmherzige Samariter sein, als der, der ganz genau weiß was zu tun ist und deswegen einen Bogen um das Problem macht.11


1  1. Mose 18,22 ff2  Jer 29,7
3  http://www.evlks.de/landeskirche/landesbischof/10434.html | http://www.zeit.de/2008/45/Luther
4  Lk 9,2;10,9 ; Mt 10,8
5  Mt 28,18-20
6  Mt 5,13
7 Joh 13,35
8  Mt 25,31 ff
9  Das Buch Jona
10  Marx, Engels Werke Bd 1 S 378 ff http://www.dober.de/religionskritik/marx1.html
11  Lk 10,25-37

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