Vogel -frei

Ein Gedicht darüber, wie ein kleines Tier uns lehren kann Abstand von den eigenen Sorgen zu gewinnen und ein wenig “über den Dingen” zu stehen.

Möwe im Flug

Vogel – frei

Ein Vogel schwingt sich in die Luft
und tut laut jubilieren.
Ich sitz’ dabei, denk: „So ein Schuft.
Ich tät’s auch gern probieren.“
Doch meine Masse ist zu groß.
ich komme nicht vom Boden los
und muss hier sitzen bleiben,
mir meine Zeit vertreiben,

indem ich Vögel steigen seh’
vom Erdboden in große Höh’,
die laut und fröhlich loben Gott,
entfliehen aus dem Erdentrott.
ich sinne nach, hab viele Fragen.
Was will dieses Bild mir sagen?

Auch wenn ich gar nicht fliegen kann,
so soll ich denken dann und wann
an den, der mich geschaffen hat,
der weiß in allen Fragen Rat.
Dass ein Gedanke schwing’ sich auf
zu dem, der unsrer Erde Lauf
seit dem Urknall hat bestimmt,
sorgt, dass sie keinen Schaden nimmt.

Die Sorgen, die hier nach mir greifen,
die soll ich nicht lassen schleifen,
doch aus der Vogelperspektive
verlieren sie an Schärf und Tiefe.
Ich sehe mehr von der Umgebung.
Das bringt eine Neubelebung.

Der Sorgenberg steht nicht allein.
Er fügt sich in die Landschaft ein,
die doch wunderbar geschaffen.
Das war’s, was ich sollte raffen!

So kann ich mich jetzt wirklich freun.
Ich weiß jetzt: „Ich bin nicht allein.“
ich bin vom vollen, prallen Leben
doch die ganze Zeit umgeben.
Da will ich ein Loblied singen
und es meinem Gott darbringen.

So stimm ich ein und mach ihn groß,
sei doch bloß kein Trauerkloß.
Es ist klar: Er hat den Plan,
diesen wendet er auch an
und kann alle Dinge sehen,
die wir manchmal nicht verstehen.

So kleiner Vogel, dank ich dir.
Ein Bote Gottes warst Du hier.
Durch deine frohe Art zu leben,
hast du mir ein Bild gegeben,
an das ich mich erinnern will,
wird es wieder einmal still,
und die dunkle Sorgennacht
mir wieder sehr zu schaffen macht.
Du hast ihren Bann gebrochen,
hast ihr tief ins Herz gestochen.
Der Tag ist schön, an dem ich heute
lebe meinem Gott zur Freude.                                          

© Christian-Michael Kleinau 5/2015

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